Psycho 5 

Theaterstück ohne Akte – nur ein kurzer Prolog (Tatsachenbericht schien mir zu profan)

Mit der Mutter von Norman Bates in einer Hauptrolle

Kurzbeschreibung:

frühes Scheitern, manchmal kommt man nicht weit…oder:

Der Ton macht die Stimmung

Vorhang auf..

Wunderbares Wetter, kurze Radfahrt in die City und ein wenig Nervosität, weil ich zum ersten mal bei einem neuen Arzt bin. Termin 9.30 Uhr.

9.25 Uhr, ich stehe vor der Glastür und sehe drinnen zwei Patienten vor dem Counter. Ich bleibe draußen stehen – Corona.

Schöne Aussicht auf die sonnengeflutete City vor stahlblauem Himmel. Rücke schon bald nach, als einer geht.

Ich komme rein, sage guten Tag, keiner antwortet. Normal, die waren alle drei beschäftigt. Eine und eine Auszubildende mit einem Patienten und eine mit ihrem Rechner. Sie wird ab sofort Annahme genannt.

Ich weiß, dass ich dran bin, als die Annahme ca. 2 Minuten, nachdem ihr Patient gegangen war zu mir schaut und „bitte?“ sagt.

„Lutz Kampert, ich habe einen Termin um 9.30 Uhr“ und reiche Überweisung und Karte durch den schmalen Schlitz in der Glasbarriere. Sie nimmt wortlos an.

Es dauert länger als gewohnt, die Karte zu lesen.

Die Annahme

„Die Karte funktioniert nicht, haben Sie noch eine andere Karte?“

Ich: „Nein, habe ich nicht“

Dann haben sie es nochmal versucht, die Karte tat es nicht – jemand sagte was von dem Gerät, das neu gestartet werden sollte, könne schon mal passieren.

Nach einem weiteren Versuch sagte sie, die Karte tut es nicht, die ist gesperrt.

Ich: Ich bin ständig bei Ärzten, es ist doch noch das gleiche Quartal und das Gültigkeitsdatum stimmt auch noch.

Ich rufe meine Frau an, erreiche sie aber nicht – das dauert natürlich etwas und sie guckt schon genervt und ungeduldig.

Ich: Ich erreiche meine Frau nicht und was jetzt?

Die Annahme: „Ja, so kriegen wir das nicht hin, rufen Sie doch Ihre Krankenkasse an.“

Ich denke mir, hoffentlich hast Du die Nummer im Telefon gespeichert – hatte ich – und ich rufe an.

Denke mir, damit Du der Annahme nicht das Telefon reichen musst, stellst Du auf laut.

Nach den ersten Sätzen pampt sie mich während meines Gesprächs mit der netten Kollegin von der KKH an, ich könne hier so nicht telefonieren, das würde stören. Sie müssten hier arbeiten…bin ich hier zum Spaß?, denke ich.

Ich stelle auf leise und es stellt sich heraus, dass es die falsche KKH Nummer war, bin bei der Abteilung Krankentagegeld gelandet – die KKH Dame wollte mir den richtigen Kontakt geben.

Die Frau an der Annahme funkt wieder dazwischen und reicht mir einen Zettel rüber – ich unterbreche das Telefongespräch und die Annahme sagt, „da steht unsere Faxnummer drauf.“ Ich gucke auf den klein geschriebenen Zettel und sage, „kann ich leider  nicht lesen, ich habe meine Lesebrille zu Hause vergessen.“

Ich will gerade der KKH weiter zuhören, „so, da bin ich wieder“ weil sie mir ja noch die richtige Nummer mitteilen wollte, als die Annahme wieder dazwischen ruft, „ich habe die Nummer“ und hält die Karte hoch.

Ich denke – Gott sei Dank, sage der KKH am Telefon, tut mir leid – es hat sich erledigt, wir haben den richtigen Kontakt und bedanke mich für ihre Freundlichkeit.

Und denke mir beim Auflegen, was ist hier eigentlich los? Aber gut, jetzt geht es endlich weiter…denke ich, dann werden die das jetzt wohl klären und sage: „Ich könnte die neue Karte, falls sie zu Hause liegt, ja auch morgen nachreichen, wäre das keine Möglichkeit?“ Keine Antwort – sie ist beschäftigt.

Inzwischen war es 9.40 Uhr. Ich sah den Bogen zum Ausfüllen der Personalien für Erstpatienten und dachte – oh shit, auch das noch… und ohne Brille, aber das bekommst Du schon hin…

Da reicht sie mir nicht den Annahmebogen, sondern die Karte und sagt, „rufen Sie da an!“

Ich schaue kurz hin ohne die Karte anzunehmen und sage – wahrscheinlich in leicht angenervtem Ton –  „Das kann ich auch nicht lesen.“

Annahme laut!: „Das kann ich doch nicht ahnen – bin ich Hellseherin? Und es gibt gar keinen Grund zu schreien.“

Ich glaube gar nicht, was ich da höre…

Und jetzt wirklich mit erhobener Stimme… „Erstens habe ich nicht geschrien und zweitens habe ich eben gesagt, ich habe meine Brille vergessen und kann die kleine Schrift nicht lesen – zuhören hilft manchmal!“

Annahme: „Bleiben Sie mal ruhig und werden nicht unverschämt!“

Sie dreht sich weg zum Telefon und ruft an.

Ich tigere vor der Theke hin und her und habe einen Kloß im Hals, finde es immer unsäglicher, was hier passiert. Je länger das Telefonat dauert, welches noch gar nicht zu Stande gekommen ist, weil sie offensichtlich nicht sofort durchkommt, desto unmöglicher scheint es mir, hier zu bleiben. Verzweiflung, Wut und völliges Unverständnis steigt in mir auf.

Irgendwann geht es nicht mehr und ich sage, „Das geht hier so nicht, geben Sie mir meine Karte wieder – ich gehe.“

Annahme: Aber ich rufe doch gerade an, sehen Sie das nicht?

Ich: „Das ist mir egal, ich werde nicht hier bleiben.“

Sie gibt mir die Karte nicht.

Annahme in nach wie vor pampigem Ton: „Ich habe doch nicht gesagt, das wir sie nicht behandeln können, jetzt beruhigen Sie sich mal.“

Ich: Das geht gar nicht, schon gar nicht in dem Ton hier… und falls ich demnächst häufiger hier zu Ihnen kommen muss, bekomme ich wahrscheinlich jedes mal Pickel, wenn ich sie wieder sehe. Geben Sie mir die Karte!

Annahme: „Was haben Sie gesagt? Sagen sie das nochmal!“

Sie gibt mir die Karte NICHT.

Ich laut: „Geben Sie mir sofort die Karte, das ist doch unglaublich, was ist denn hier los…“

Endlich reicht sie mir zögerlich die Karte und die Überweisung durch den schmalen Schlitz während sie mit einem Beifall heischenden Blick zu den beiden Kolleginnen ruft:

„Also so was unfreundliches habe ich ja noch nie erlebt, das gibt es doch gar nicht, oder?“

Die beiden Kolleginnen schauen peinlich berührt weiterhin auf Ihre Arbeit und nicht zu ihr – ich gehe mit einem Blick zurück und einem „Unfassbar!“ auf den Lippen.

Vorhang

Habe ich darauf hingewiesen, dass es sich um eine psychiatrische Praxis handelte, in der ich herausfinden wollte, wie ich meine Schlaflosigkeit in den Griff bekommen kann und wie hoch meine mentale Belastung durch die chronische Krebserkrankung und Corona ist?

Ich kann wirklich nichts zu den Ärzten sagen – schade, ich war neugierig und hoffnungsfroh, dass sich mit entsprechender Geduld und professioneller Begleitung meine Lebensqualität verbessern könnte…. bin ich zu aufsässig gewesen – zu ungeduldig?

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